Gipsabbau und Verarbeitung in Epfendorf

Der Abbau und die Verarbeitung von Gips durch die Firma Gebr. Künkele hatte eine über hundertjährige Geschichte in unserem Ort. Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen Einblick auf diese langjährige Industriegeschichte.

An den Gipsabbau erinnert die Lore und die Bank in der Dorfmitte, die von der Familie und Firma Künkele gestiftet und im Zeitraum 2020/2021 gemeinsam mit ImpulsE gestaltet wurde.

Wir danken der Firma Künkele herzlich für die Bereitstellung der Lore, der Bank und des Baums sowie für die hier bereitgestellten Informationen und Bilder.

Die Anfänge des Gipsabbaus in Epfendorf

Spätestens seit dem 18. Jahrhundert wurde in Epfendorf Gips in größerem Umfang im Tagebau abgebaut, zunächst vor allem als Düngezusatz.

Um 1800 entstand die erste Gipspoche, als man anfing, in der oberen Sägemühle Gipssteine zu brechen. 1820 entstand eine weitere.

Etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts fand Gips zunehmend für Maurerarbeiten Verwendung. Ausgeliefert wurde er mit Pferdefuhrwerken
vorwiegend nach Oberndorf.

Ab 1882 betrieb der „Gipsmüller” Blasius Grimm den Gipsabbau im Steinet und lieferte Gipsmehl und Gipsschotter.

Errichtung des Gipswerkes

Der Baumeister Miehle errichtete 1905 ein Gipswerk und eine Wasserkraftanlage am Neckar unterhalb des Kapfberges und baute den Gips im Tagebau ab. Der zur Erweiterung begonnene Untertagebau war ein Fehlschlag und wurde mit dem Tod von Miehle 1909 wieder eingestellt.

Bis dahin hatte der Landwirt und Brauereibesitzer Johannes Sauter, der Kronenwirt aus Epfendorf, die Finanzierung des Gipsmühlwerkes übernommen. Nach dem Tod von Miehle ging das Werk in Sauters Besitz über. Seine beiden Söhne starben 1912/13 und er selbst 1914. Bis zum Ende des Krieges 1918 blieb der Betrieb daher geschlossen.

Übernahme durch die Gebrüder Künkele

1918 erwarben die Brüder Adolph und Max Künkele die Firma und begannen den Tagebau an der Steinethalde in Epfendorf mit einer
Kapazität von 10 Tagestonnen. Mit neuem Tagebau 1921 unterhalb des Kapfberges, 1929 in Böhringen und in 1957 Maria-Hochheim wuchs die Gesamtproduktion auf 50 Tagestonnen.

Die nach dem 2. Weltkrieg stark gestiegene Nachfrage zu einem neuen Versuch des Untertageabbaues. 1949 ließ Fritz Künkele einen neuen Stollen in den Kapfberg treiben. 1952 wurde das Mundloch des Stollens verlegt und 1954 an die neu erstellte Lorenbahn zum Gipswerk angeschlossen. Nach und nach entstand ein über 400 Meter langer, stark verzweigter Stollen, dessen größte Breite 8 Meter bei einer maximalen Höhe von 5,60 Metern betrug. Auf Loren wurden die gebrochenen Gipssteine über Schienen und eine Hochbahn zum Gipswerk befördert. Ein Elektromotor zog die fast 300 kg schweren Loren nach dem Abladen wieder bergauf zum Stollen. Abbau des Gesteins, Beladung der Loren und deren Transport bis zur Hochbahn erfolgten in mühevoller Handarbeit.

Auf diese Weise wurden jährlich rund 1.000 to Gipssteine abgebaut. In den 50er Jahren wurde es durch ein größeres Arbeitstellenangebot schwer, Arbeiter für die anstrengende und gefährliche Arbeit unter Tage zu gewinnen. Daher und aufgrund zu geringer Kapazitäten wurde der Untertagebau in Epfendorf im Jahr 1960 endgültig eingestellt.

Gipswerk und Plattenfabrik

Im Gipswerk wurden die Gipssteine durch Brecher zerkleinert, gemahlen und gebrannt. Dieser Stuckgips wurde per LKW (als Sackware oder Silozug) oder per Bahn an Kunden geliefert. In der 1961 erbauten Plattenfabrik wurde er mit Wasser in Plattenformen gegossen und dann im Ofen zu Gipsplatten getrocknet.

Die Firma Künkele beendete die Gipsverarbeitung in 1984 und feierte in 2018 ihr 100jähriges Bestehen. Der Abbau von Gips in Böhringen und Bochingen wird seit 2004 von der Firma Gebr. Bantle als Pächter durchgeführt.

Mitglied werden

Seit unserer Gründung am 01. Juli 2020 durften wir bereits viele neue Mitglieder in unserem Verein begrüßen – mach auch mit!